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English synopsis, The Beggar's Diary, 18.08.07. - As is usual, Filch is pondering over the meaning of life as he drinks his cup of coffee at the Fyal (the bar is again mentioned here by its name because, if you remember, The Beggar was allowed bathe in the men’s room yesterday). Then, like a vision, he sees the picture right in front of him: it is a young lady with the following words written on her generous bosom: GET A JOB, SUCKER!
Yeah, get a job. It is not easy to have a job AND have an attitude.
And so, attitude-less, he returns to the Spiekerhof, where opportunely two groups of visitors declare themselves ready to engage in a verbal manifestation against the dismantling of The Thread. They’re faced, however, with a totally unforeseen difficulty, namely the impossibility of translating the key sentence, "keep your fingers off The Thread," into Chinese. The group of visitors from Hong Kong explain to Filch that the closest Mandarin translation would be something like: "Let it be."
Again, he must endure the humiliation of seeing himself neglected by his audience. The few people who pass by seem to be more interested in the street musicians nearby than in Filch: they are more experienced, more successful, more professional probably …
And, as is also usual ("Comme d'habitude" Do you know the Claude François' song? "My Way" is actually an adaptation (by Paul Anka) of that original French song.), when he is just about to leave, some SPM07 visitors express their disappointment at having missed "the performance" (“What performance?” Filch would like to ask them). But today Filch The Beggar decides to offer those kind visitors from Vienna the opportunity to spend the rest of the day with him. The offer is partially accepted.
As he walks back to the Landesmuseum at the end of the day, pondering again the sense of it all, he receives a message: two silver CDs that describe an enigmatic geometry on the ground. He is ready to decode the message.

Bettlertagebuch 18.08.07 (Samstag)
Vor seiner aufgeschäumten Milch im "fyal" sitzend denkt Filch darüber nach, unter welchen Umständen seiner Stimme in der Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit geschenkt würde. Dann bemerkt er an der Wand rechts neben sich ein Kunstwerk, das ihm nie zuvor aufgefallen ist. Es zeigt eine Frau, über deren Hals und Brust in einem angedeuteten Oval die Worte "GET A JOB SUCKER" geschrieben stehen, die man auf Deutsch etwa mit "Such Dir einen Job, Du Lutscher" übersetzen könnte.
Er denkt an seine angefangene Musikkarriere. Warum, fragt er sich, warum liegt sie seit über zwei Wochen auf Eis? - Vielleicht, antwortet er sich selbst, weil er zu viel anderes zu tun hatte. Das wirkliche Leben, denkt er, ist nicht so leicht, wenn man eine Haltung UND einen Job braucht.

Aber am Spiekerhof gibt man ihm Recht. Besonders als er fragt, ob es etwas gebracht hätte, wenn Elvis, DER KING, am Schluss eines Konzertes in Las Vegas, vor seiner Fahrt mit dem Lift in die Tiefgarage noch einmal ans Mikrofon getreten wäre, um seinem Publikum zu versichern, dass er der Meinung ist, der Faden sollte nicht abgehängt werden.
Es ist überdies sehr schönes Wetter heute und sein "Protestfaden" hebt sich strahlend vor dem blauen Augusthimmel ab.
Unter diesem "Protestfaden" gelingt es sogar, zwei kleinere Reisegruppen für eine gemeinsame verbale Demonstration zu einen, wofür er seine Gedanken und Gefühle in einer möglichst einprägsamen Parole formuliert: "Finger weg vom Faden!"
Diese Formel ins Chinesische zu übersetzen erweist sich allerdings als unerwartet kompliziert, wie ihm ein Gespräch mit einer Besucherin aus Hong Kong verdeutlicht, die allerdings nicht aufgibt, bis sie eine immerhin praktikable Übersetzung anbieten kann, die so viel wie "Lass ihn hier!" bedeutet.

Filch verdient an diesem Vormittag 2,90 Euro und wird von einem jungen Musikerduo, das mit eigener Kassiererin anreist, kurzzeitig sozusagen an die Schaufensterscheibe des Damen-Oberbekleidungs-Geschäftes gespielt, aber er sieht es gelassen. Vielleicht ist diese Gelassenheit Ausdruck seiner sich bereits abzeichnenden Starqualität. Aber das Bemerkenswerteste: vor Beginn der Darbietung wirft die Kassiererin 20 Cent in Filchs Becher! Diese Art der Respekts-Bezeugung empfindet selbst er zunächst als übertrieben, aber als später ein vergleichsweise erwachsenes Musikerquartett an der selben Stelle auftritt und seiner Anwesenheit lediglich durch Nicken Tribut zollt, ist er doch ein wenig eingeschnappt.

Er will den Spiekerhof gerade verlassen, als er die Bekanntschaft von einer Dame und zwei Herren aus Wien macht, die die strikte Handhabung seiner Dienstzeit am Spiekerhof zunächst etwas befremdlich finden, bis er anbietet, sie ein wenig zu begleiten. Es wird gewissermaßen eine Freundschaft für einen Tag. Filch führt sie zunächst zu Hans-Peter Feldmanns Projekt auf dem Domplatz und von dort aus zu Isa Genzkens an der Liebfrauen-Überwasserkirche. Erst an der Aa entlang, dann am "Gasoline" vorbei geht es weiter zu Dominique Gonzales-Foersters "Münsterroman", und anschließend zu Claes Oldenburgs "Großen Billardkugeln" und Tue Greenforts "Diffusen Einträgen".
Filch bewundert die Ausdauer seiner Wegbegleiter. Sie haben keine Fahrräder mehr bekommen und eigentlich nicht viel Zeit (weswegen sie auch seine Einladung ins Freibad höflich aber mit großer Konsequenz ablehnen), möchten jedoch so viel wie möglich von den Skulptur Projekten sehen und genießen die Kunst mit wertschätzender Unaufgeregtheit. Und obwohl sie Filch in etwa so viel von sich erzählen wie er ihnen von seinem Leben außerhalb des Projekts erzählt, genießt er ihre Gesellschaft ungemein, zumal er auch viele Fragen über Österreich stellen und mit ihnen nahezu über alles diskutieren kann.
Auf dem Weg zu Susanne Philipsz "Lost Reflection" und Rosemarie Trockels "Less Sauvage than Others", der sie auch über Jorge Pardos "Pier" führt, bestärken sie Filch in seinem Vorhaben, am Mittwoch - auf dem nächsten "Beggar´s Evening" - dem modernen Theater seine Poesie zurückgeben zu wollen. Gemeinsam lassen sie die Erinnerung an den großen österreichischen Schauspieler Oskar Werner aufleben. Als Filch ihnen erzählt, dass er sogar daran denkt, ein Renaissance-Sonnett als Hommage an Oskar Werner darzubieten, lernt er den für ihn neuen Ausdruck: "Hoffentlich geht sich das aus!" Erst als er Oskar Werners großen Zurechtweisungs-Monolog aus "Der Spion, der aus der Kälte kam" anklingen lässt, kann er sie ein wenig zuversichtlicher stimmen.
Zum Abschluss laden sie Filch noch ins "Gasolin" ein, wo er vor einiger Zeit in einer Woche viermal vergeblich versucht hat, Kuchen zu essen (dreimal ausverkauft, einmal plötzlicher Heißhunger auf Suppe). Filch entscheidet sich für eine große Apfelsaftschorle, zwei halbe Brötchen mit Käse bzw. Schinken, eine Portion Oliven, ein großes Mineralwasser und ein Stück Zwetschgenkuchen.

Nach der Verabschiedung denkt Filch daran, vielleicht doch noch Schwimmen zu gehen. Er hat zwar weder Handtuch noch Badehose - aber 50 Euro. Und das kam so: Der Westfälische Kunstverein hat Filch eingeladen, am vergangenen Montag nach Dienstschluss bei der diesjährigen Mitgliederversammlung eine kleine Rede zu halten. Im Rahmen dieser Rede, in der Filch unter anderem durchblicken ließ, dass es nicht immer so leicht ist, eine Skulptur zu sein, wie man sich das vielleicht von zu Hause aus vorstellt, ließ er auch seine Kohlezeichnungen nicht unerwähnt und konnte beim anschließenden Umtrunk "Kein Tag wie der andere" und "Der vergessene Freund" sowie eine Option auf "The Beginning of Something" verkaufen.
Er möchte nicht zu viel für die Badehose ausgeben und nimmt zwei in die Endausscheidung, die ihm vom Preis her vertretbar erscheinen: die eine sieht eher so aus, wie er sich selbst sieht und kostet 12 Euro, die andere kündet vom immerhin möglichen Glanz seiner bevorstehenden Musikerkarriere und kostet 15 Euro. Zu den 15 Euro kommen noch vier für ein Handtuch und weitere acht Euro für ein Duschgel ("Haut und Haar"), ein Deodorant, ein kleine Dose Feuchtigkeitscreme (damit die Haut nach dem Schwimmen nicht völlig austrocknet) und einen Pflegestift für die Lippen mit Lichtschutz-Faktor 25 und Vitamin E.

Etwas mitgenommen macht sich Filch auf die Suche nach einem Schwimmbad.
Ein Freibad scheint nicht in der Nähe zu sein, aber ein Hallenbad hinter dem Landgericht kann man ihm empfehlen. Er vermutet es zuerst in der Badestraße, aber es ist noch eine Querstraße weiter. Und auch dort ist es nicht das Gebäude, dessen Stufen er mit inzwischen etwas gedämpftem aber dennoch beträchtlichen Enthusiasmus erklimmt, und das sich als Forschungszentrum für Verhaltens- und Neurobiologie entpuppt. Aber dann findet er es. Es ist allerdings seit etwas über einer Stunde geschlossen.

Auf dem Rückweg zum Landesmuseum versucht Filch, eine Bilanz dieses vielschichtigen Tages zu ziehen, aber es will ihm nicht recht gelingen, bis er wie aus heiterem Himmel zwei unbeschriftete CDs vor sich auf dem Gehweg liegen sieht.